Offenes Haus Oberwart

KOMMENDE AUSSTELLUNG: Die außergewöhnliche Ausstellung "Body Tales" von Eva-Maria Biribauer, Michaela Foltin, Eveline Rabold ist vom 13.1. bis zum 3.2.2018 zu besichtigen.

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Echte Veranderung können nur wir selbst herbeiführen!

Der aus Oberwart stammende Kabarettist  und Liedermacher Harald Pomper hält nichts von billiger Pointendrescherei. In seinen Liedern und Texten ruft er uns auf, sich nicht nur auf die Politiker zu verlassen, diese seien längst Getriebene des Turbokapitalismus. Mit seiner „Offenen Bühne Burgenland“ bietet er jungen Talenten die Möglichkeit, sich vor Publikum zu präsentieren. Er selbst stellt am 3. Feber 2018 ein neues Programm vor, das auf der Bühne des OHO seine Premiere erlebt. Wir haben Harald Pomper vorab zum Gespräch getroffen.

Was erwartet die Zuschauer im neuen Programm „Endspiel Demokratie 2 – Der Letzte dreht das Licht ab“?
Den ersten Teil („Endspiel Demokratie 1“, Anm.) habe ich nun zwei Jahre gespielt und viele Dinge, die man damals bestenfalls vorausahnen konnte, sind inzwischen Realität: Die Briten verabschieden sich endgültig von der internationalen Bühne; ein verhaltensorigineller Komiker ist Präsident der USA; Staaten wie Polen oder die Türkei fahren mit Vollgas in die Vergangenheit und praktisch weltweit sind unter dem Begriff „Heimat“ Nationalisten im Vormarsch. Menschen, die für den Erfolg ihre eigene Großmutter verkaufen, stellen sich als „Heimatkünstler“ oder „Heimatpolitiker“ auf die Bühne und treiben den Nationalismus voran. Nationalismus hat aber immer zu brutalen Kriegen geführt. Da ich mein Programm permanent weiterentwickle und variiere, war es an der Zeit, auch den Namen anzupassen.
Unter anderem kreidest du die Allmacht der internationalen Konzerne an. Wie kommt das beim Publikum an? Immerhin sind wir ja alle Konsumenten und Teil dieser Wachstumsmaschinerie – ob wir wollen oder nicht.
Ja, es stimmt, wir sind alle Konsumenten und wir können global durch Kaufentscheidungen mehr bewirken als durch Wahlentscheidungen. Keiner muss im Wald leben oder sich nur von selbst gezogenen Karotten ernähren. Aber wir müssen uns reduzieren. Die Erde verkraftet es nicht, dass wir so viele Lebensmittel wegschmeißen oder dass wir fünf Mal im Jahr wegfliegen, nur weil es so billig ist.
Und wie das ankommt? Manchen gefällt, was ich mache, manche sind vielleicht verwundert oder irritiert, wenn Kabarett nicht nur billige Pointendrescherei ist. Insgesamt bekomme ich sehr viele, unglaublich nette und aufbauende Mails – das macht natürlich Freude.

Deine neue CD „Straßenhund“ hast du aufgenommen, als du wochenlang zu Fuß unterwegs zu deinen Konzerten warst. Wie ist es dir damit ergangen?
Es war toll. Andere gehen den Jakobsweg – ich konnte eine Wanderung mit meiner Arbeit verbinden, und so bin ich im Frühling eineinhalb Monate zu Fuß zu meinen Auftritten gegangen. Es ist wirklich wunderschön, wenn man durchs Land geht und alles blüht und alles grünt. Das Paradies auf Erden – am Abend paar leiwande Lieder spielen und tolle Menschen treffen. Was soll man mehr vom Leben wollen? Bei der Wanderung dabei war auch ein kleiner mobiler Recorder. Damit habe ich an Waldlichtungen, Landstraßen oder in Fußgängerzonen das neue Album aufgenommen.

Um kurz auf das aktuelle politische Geschehen in Österreich zu sprechen zu kommen: Im Wahlkampf für die Nationalratswahl – vor allem in den unzähligen TV-Diskussionsrunden – hat man sehr oft das Wort „Veränderung“ gehört. Bei den Österreicher- Innen sei der Wunsch nach Veränderung so groß. Was steckt deiner Meinung nach dahinter und wie interpretierst du Veränderung?
Ganz ehrlich: Ich habe mir keine einzige Konfrontation angesehen. Da geht es nicht um Politik oder um Lösungen – das ist eine Show, eine Inszenierung. Wer die beste Kampfrhetorik beherrscht, gewinnt. Um Lösungen geht es da nicht. Ein Politiker, der ehrlich für das Land arbeiten will, tut mir inzwischen leid. Echte Veränderung können wir – das Volk –  aber selbst – herbeiführen. Weniger Arbeit, weniger Stress und mehr Zeit fürs Wesentliche – das ist viel besser als ein Schloss als Haus und ein BMW vor der Tür. Hören wir also auf, Konzernen wie Amazon, Starbucks oder Apple das Geld in den Rachen zu werfen, und kaufen wir nur das, was wir wirklich brauchen. Wenn wir uns um 30 Prozent reduzieren oder das Geld für faire Dinge ausgeben, ändern wir mehr, als der beste Politiker dies mit Gesetzen beschließen könnte.

Du hast in deinem noch jungen Leben schon viel gemacht und erlebt – von der Schlosser- lehre bis hin zum Studium, zwischendurch immer wieder Auslandsaufenthalte. Haben Jugendliche heutzutage überhaupt noch die Chance, sich „auszuprobieren“?
Mhmm ... eigentlich habe ich die ganzen Dinge nicht „ausprobiert“, sondern auch durchgezogen (lacht). Es gibt in Zukunft keine sicheren Jobs mehr. Deshalb sollte man aus „Vernunft“ nicht das machen, was am „sichersten“ wirkt. Die Zeit, in denen Juristen vom Bund fix übernommen wurden oder Betriebswirte irgendwo eine ruhige Kugel geschoben haben, ist lange vorbei. In fast allen Jobs steht man heute vor einer ungewissen Zukunft – deshalb sollte man nur das machen, was man wirklich gerne mag. Dann hält man auch die Schwierigkeiten, die es in jedem Job gibt, leichter aus. Wenn ich mit Herz und Seele Tischler bin, werde ich auch trotz Möbelriesen wie „kika“ bestehen. Jeder weiß schon als Kind, wofür er lebt. Erziehung und Schule wollen das aber wegschleifen. Ich selbst habe Jahre gebraucht, um mich mein Leben leben zu trauen. Es war für mich als Schlosserlehrling völlig utopisch, hauptsächlich Musik zu machen und z. B. in Berlin oder Hamburg auf der Bühne über Politik zu reden.
Wenn man sich ein Herz fasst und einen gewissen Biss hat, muss man nicht ein Leben leben, das man mehr durch Zufall irgendwie begonnen hat. Leidenschaft und den sozialen Druck ignorieren – das ist ganz wichtig!

Ausprobieren ist auch das Stichwort bei der „Offenen Bühne Burgenland“. Du bist Initiator dieser Aktion und nun schon seit einigen Jahren damit unterwegs. Was ist deine Erfahrung damit und gibt  es im Burgenland genügend Talente im Kleinkunstbereich?
Mehr als genug. Viele sollten davon auch regelmäßig im Fernsehen zu sehen oder im Radio zu hören sein. Aber in Österreich gibt es seit Jahrzehnten einen enormen Boykott, was z. B. heimische Musiker betrifft. Leider trauen sich nicht viele, das offen anzusprechen.

Dein neues Programm „Endspiel Demokratie 2 – Der Letzte dreht das Licht ab“ feiert am 3. Feber 2018 Premiere im OHO in Oberwart. Warum gerade im OHO und gibt es was, was dich mit dem OHO verbindet?
Ich habe in jungen Jahren die damals noch am Anfang stehende Band „Rammstein“ im OHO gesehen oder mir den vergleichsweise unbekannten Josef Hader angeschaut. Wie heute gab es aber auch damals Konzerte von fantastischen Musikern, die vor fünf Leuten gespielt haben. Und dennoch haben sich gerade diese „intimen Momente“ tief ins Gedächtnis gebohrt. Tolle Erinnerungen, die ich nicht missen möchte!

„Hören wir also auf, Konzernen wie Amazon, Starbucks oder Apple das Geld in den Rachen zu werfen, und kaufen wir nur das, was wir wirklich brauchen.“

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