Offenes Haus Oberwart

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG: Heute ist die Eröffnung der Ausstellung „Kunst für Katz & Co - KünstlerInnen helfen Tieren in Not“ Mehr Infos >>

OHO – DAS ERSTE JAHRZEHNT ...

... eines autonomen Kunst- und Kulturhauses der Provinz

Interview mit Andreas Lehner


Du bist in vielen Bereichen erzählerischer Konzepte rund um das Kulturland Burgenland und weiterhin als Künstler tätig. Konntest du für deine jetzige Arbeit von den Erfahrungen aus deiner (Mit)Arbeit im OHO zehren bzw. ist dir diese zugute gekommen, und wenn ja: wie?

Schwere Frage: Ich muss sie etwas schwammig und allgemein beantworten: Jede Erfahrung, die bewusst verarbeitet wird, kommt der nächsten Aufgabe zugute. Ich hatte in meiner aktiven Zeit im OHO sehr positive und sehr negative Erfahrungen.

Aber es ist mir wichtig, auf eine Erfahrung hinzuweisen, die mein Bewusstsein und viele meiner künstlerischen und persönlichen Entscheidungen bis heute geprägt hat. Es war die Zeit unmittelbar nach dem Attentat auf die Roma-Siedlung im Feber 1995. Wohl alle Aktiven im OHO haben sofort die Tragweite dieses Verbrechens erfasst, lange bevor Politik, Verwaltung und Exekutive die richtigen Schlüsse zogen und dementsprechend reagierten. Das OHO mutierte in diesem Augenblick vom provinziellen experimentellen Kunsthaus zur Schalt- und Koordinationsstelle für fast alle relevanten Fragen, nachdem die offiziellen Stellen mehr oder weniger paralysiert waren. In dieser Zeit war die Aufmerksamkeit Österreichs und der Medien vieler Länder auf uns gerichtet. Es ist dem Team rund um Horst Horvath gelungen, Struktur in das Chaos zu bringen und wesentliche Entscheidungen nachhaltig positiv zu beeinflussen. In diesem Moment – in diesen Tagen – haben sich die Bedeutung und die Position des OHO nicht nur für Oberwart, sondern für die ganze Republik manifestiert.

Was war dein Beitrag zum weiteren Aufbau des OHO bzw. deine Funktion?

Ich möchte meinen Beitrag nicht überbewerten. Dennoch konnte ich vor allem gemeinsam mit Wolfgang Horwath eine Reihe von wirklich spannenden Ausstellungen bildender KünstlerInnen koordinieren. Leider ist es nicht gelungen, das OHO als Institution für hochqualitative, kontroversielle und experimentelle bildende Kunst zu etablieren. Die Konzessionen an einen vermeintlichen Publikumsgeschmack oder hypothetische Verbindlichkeiten haben dieses Ziel weitgehend verfehlen lassen, obwohl es natürlich immer wieder sehr spannende Kunstprojekte gab und gibt. Besonders wichtig war mir auch die Arbeit im Zusammenhang mit der Volksgruppe der Roma. In diesem Bereich konnte ich wichtige, wahrscheinlich sogar richtungsweisende Projekte gemeinsam mit einer Reihe von MitstreiterInnen realisieren.

Einen kleinen Beitrag konnte ich auch zum derzeitigen Aussehen des OHO leisten.  Als der erste Umbauentwurf zur Entscheidung im Vorstand vorgelegt wurde, habe ich dagegen argumentiert und gestimmt. Peter Wagner hat sich damals als einer der wenigen meiner Ansicht angeschlossen. Und obwohl dem damaligen Geschäftsführer Horst Horvath wohl das Herz blutete, hat er – trotz eines eindeutigen Vorstandsbeschlusses – die Planung von Neuem begonnen. Das Ergebnis ist heute noch zu sehen.

Du bist zwischen 2010 und 2014 auch im Bundesbeirat für regionale Kulturinitiativen gesessen. Welche Funktion haben Häuser wie das OHO ganz generell, zumal in heutiger Zeit, die sich – sieht man sich z.B. nur die rasante digitale Entwicklung an – ja doch gravierend von den Gründungsjahren des OHO unterscheidet?

Das OHO unterscheidet sich von fast allen ähnlichen Initiativen durch seine Eigenproduktionen, die fast immer wichtige gesellschaftliche Entwicklungen mit künstlerischen Mitteln reflektieren. Dabei kommen unterschiedliche Kunstsparten und Medien zum Einsatz. Das Haus nimmt damit noch immer eine Vorreiterrolle in der Szene der autonomen Kulturzentren Österreichs ein, die auch offiziell mit Auszeichnungen und Preisen gewürdigt wurde.
Doch um auf den zweiten Teil der Frage einzugehen, kann man konstatieren, dass vor allem die Entwicklungen und Fehlentwicklungen im Bereich der Social Media, aber auch die künstlerischen Entwicklungen im digitalen Bereich derzeit wahrscheinlich zu wenig Resonanz finden.