Offenes Haus Oberwart

KOMMENDE AUSSTELLUNG: Die Vernissage der Foto-Ausstellung „Menschen auf der Flucht“ von Tom Platzer ist ab dem 3. Mai 2019 zu besichtigen. Mehr Infos >>

OHO – DAS ERSTE JAHRZEHNT ...

... eines autonomen Kunst- und Kulturhauses der Provinz

Interview mit Beatrix Rehm


Das OHO war von Anfang an durch ein starkes Engagement und eine offenbar unbezwingbare Leidenschaft für das Tun und Machen im zeitgenössischen Kulturschaffen gekennzeichnet. Wie hast du diese Zeit für dich persönlich erlebt?

Ein Neubeginn, dynamisch, ausufernd, herausfordernd, grenzwertig und –überschreitend. Ein Ort, der Platz für Engagement für das bot, was mir damals am Herzen lag – sowohl im Kunstausdruck als auch gesellschaftspolitisch.

Worin hat deine Arbeit im OHO bestanden?

Meine Berufsbezeichnung damals war organisatorisch-administrative Leiterin. Zusammenfassend, im Hintergrund arbeitend – auch unzählige Male selbstausbeutend und die Familie in den Hintergrund stellend, um Kunstprojekte verwirklichen zu helfen und zu administrieren, eben der Sache dienend, wie viele andere ebenso. Untergeordnet dem Willen und Wollen von Kunstschaffenden und –managenden.

Wie war die Situation der Frauen in der Kunstszene rund ums OHO in den 1990er-Jahren überhaupt?

Im Schatten oder im Clinch mit den Dominierenden – hauptsächlich männlich – in der Kunstszene. Ich erinnere mich aber auch an manch mächtig Gute – weiblich – in der darstellenden Kunst. Kommunikation mit der männlichen Dominanz aufzunehmen schien öfters nicht möglich.

Da du persönlich über einen künstlerischen Hintergrund verfügst: Worin hat für dich die tatsächliche künstlerische Wertigkeit des Hauses in diesem ersten Jahrzehnt bestanden?

Vor allem in den Eigenproduktionen, die kritisch Themen hinterfragten und in anderer Form zur Diskussion und Reflexion stellten. und natürlich die ungewöhnlichen Präsentationen und Aktionen im Bereich der Bildenden Kunst, die sich immer wieder mit anderen Kunstbereichen verschränkten.

Du hast dich noch vor der Jahrtausendwende beruflich anders orientiert. Konntest du etwas von den Erfahrungen aus einem Kulturbetrieb wie dem OHO, der naturgemäß zwischen Chaos und Wahnsinn pendelt, für deine neue Tätigkeit sozusagen „mitnehmen“?

Sich durch Chaos nicht in den Wahnsinn oder sich vom Wahnsinn nicht in das Chaos treiben lassen. Einen roten Faden wahrnehmen, aufnehmen und die Arbeit in möglichst effektiver Reihenfolge daranknüpfen.