Offenes Haus Oberwart

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DEN MUT ZU TRÄUMEN UND DIE KRAFT ZU KÄMPFEN

Er ist, wie man so sagt, ein Mochatschek, einer, der die Ärmel hochkrempelt, nicht viel fragt und einfach tut. So geschehen vor 30 Jahren, als er miteiner Gruppe Langzeitarbeitsloser das ehemalige Jugendhaus renovierte, um wenig später den Verein OHO zu gründen. Bis 1999 hat er als Obmann bzw. Geschäftsführer die Geschicke des Hauses gelenkt. Zahlreiche Initiativen und Projekte sind durch sein Engagement entstanden - Horst Horvath. Für das Blattwerk hat ihn Christian Keglovits zum Interview gebeten.

 

Wie kam es dazu, dass aus dem ehemaligen Jugendhaus das Offene Haus Oberwart entstanden ist?

Ich stamme ursprünglich aus Neudörfl und bin im 1986er Jahr aus dem Nordburgenland ins Südburgenland gekommen, um als sogenannter Arbeitsmarktbetreuer unter Bundesminister Alfred Dallinger im Nonprofit-Bereich Jobs zu schaffen. Auf der Suche nach einem Büro führte mich der Zufall in die Lisztgasse. Die Steuerberatungskanzlei Sommer ist aus ihrem damaligen Büro, das vis-à-vis vom Jugendhaus lag, ausgezogen und ich bin dort eingezogen.

Eines meiner ersten Arbeitslosen-Projekte war die Sanierung des Granariums der Burg Schlaining, wo es darum gegangen ist, langzeitarbeitslose Jugendliche und auch ältere Erwachsene gemeinsam arbeiten zu lassen, und die Jugendlichen von den Älteren lernen. Viele Roma aus dem Bezirk Oberwart waren mit dabei, und es war schon ein erster Schritt hin in Richtung Renovierung des Jugendhauses in Oberwart.

Im November 1987 war eine Generalversammlung des Vereines Jugendhaus Oberwart angesetzt. Auf der Tagesordnung stand die Schließung des Hauses, weil man schlicht kein Geld mehr hatte, wobei man mir anfangs versicherte, dass der Schuldenstand eh nicht so hoch wäre. Wie sich später herausstellte waren die Außenstände aber doch beträchtlich. Jedenfalls hab ich – ich war damals auf dem Weg in die UdSSR – dem damaligen Vorstand einen Brief geschrieben – „Gewählt raus aus der Krise – packen wir´s an!“ -, mit der Bitte, man solle die Schließung überdenken, da man immerhin über ein Haus mit sehr günstiger Miete vom Bund verfügte.

Ich hab damals schon so etwas wie ein Grundkonzept für ein offenes Haus mit 3 Schwerpunkten entworfen:
Erstens ein offener Jugendhausbetrieb mit Café und Extraraum, zweitens eine Kultur- und Kunststätte im Saal und drittens ein Büro-, Informations- und Seminarzentrum im Obergeschoss als Drehscheibe. Das war überhaupt mein Grundansatz für die Idee zu einem neuen Haus, nämlich eine Drehscheibe nicht nur für junge Menschen, sondern auch für Erwachsene zu schaffen, nach dem Motto „Miteinander ist besser als Gegeneinander“. Anfangs hießen wir KuKuK (Kunst und Kultur und Kommunikation), bevor sich dann der Name „OHO – Offenes Haus Oberwart“ etabliert hat.

Wie ist überhaupt der Name OHO entstanden?

Ich hab in Wien beim Bundespräsidenten-Wahlkampf für Freda Meissner-Blau gearbeitet und hatte dort mit einem Werbetexter – Wilfried Uitz – zu tun, der auch für BMW tätig war. Und da sind wir eine ganze Nacht lang zusammengesessen und haben hunderte Namensvorschläge durchgekaut. Bis der mich schlussendlich fragte: „Was willst du denn eigentlich?“ Ich sagte: „Ich will ein Haus, das offen ist für Jung und Alt.“ Und er fragte, wo das Haus denn stehe. „In Oberwart.“ „Na dann heißt das Haus ´Offenes Haus Oberwart.´“ Fertig. Einen halben Tag später haben wir ein erstes Logo entwickelt und so ist das OHO entstanden.

Wie ist es zu so etwas wie einem ersten Budget gekommen? Was waren die Grundlagen, ein Unternehmen wie dieses finanziell auf die Beine zu stellen – und letztlich auf den Beinen zu halten?

Eine erste Ernüchterung war, dass die Schulden des Vereins Jugendhaus größer waren, als zuerst angegeben. Das ist mir nach und nach bewusst geworden. Der Ferry Sauerzopf hat uns tausend Schilling als Unterstützung gegeben, was damals viel Geld war. Die sind gleich mal beim Finanzamt gelandet. Wir haben dann bald mit dem Betrieb eines Cafés im Jugendhaus begonnen. Zum Arbeiten hab ich auch meine Freunde aus dem Nordburgenland, wie Helmut Paar, eingeladen. So ist z.B. eine neue Bar entstanden. Die Nemeth Isa, die auch heute noch im OHO tätig ist, hat damals ausgemalt und das Kaffeehaus eine Zeit lang betrieben. Dann lernte ich Wolfgang Horvath (heute Horwath) kennen, der einer der ersten Künstler war, der eine Ausstellung im Haus gemacht hat. Mit dem Kaffeehaus, Veranstaltungen und mit der Unterstützung von Sponsoren ist es nach und nach gelungen, die finanziellen Altlasten abzubauen, und so konnten wir letztlich durchstarten. 1988 konnten wir bereits den Verein OHO gründen, der damalige Vorstand bestand aus Sonja Kleinrath (Kassierin), Silvia Resch (Schriftführerin) und mir als Obmann. Im gleichen Jahr haben wir das Jugendhaus im Zuge eines Renovierungskurses mit arbeitslosen Jugendlichen von Grund auf saniert. 1989 haben wir das erneuerte Jugendhaus als Offenes Haus Oberwart neu eröffnet. In unserem ersten Jahr 1989 hatten wir 19 Konzerte, 2 Parties, 5 Ausstellungen Bildender Kunst, 8 Kinderveranstaltungen, 15 Treffen und Vorträge, 2 Kabaretts, 3 Kurse, Seminare, 9 Lesungen usw.

Mit von der Partie waren von Anfang 1989 neben den bereits erwähnten auch Georg Hoanzl, Christine Teuschler, Maria Kappel, Elisabeth Farkas, Thomas Unger, Christine Heindl und viele mehr.

Eine erste große Geschichte, mit der wir uns gleich von Beginn an einen Namen gemacht haben, war das Projekt „Naziherrschaft und was uns blieb“. Und da hat es dann schon auch Hauptschuldirektoren gegeben, die bei uns angerufen bzw. uns geschrieben und gemeint haben, wir sollten damit aufhören und endlich Ruhe geben.

Apropos: Gab es politisch und gesellschaftlich nur Gegenwind oder hat es vor, bei und nach der Gründung des OHO auch positive Stimmen gegeben?

Natürlich gab’s mehr Gegenwind, weil das Haus noch immer den Ruf einer Haschbude gehabt hat. Wobei ich immer gesagt habe, im Haus möchte ich das nicht haben, weil ich das grundsätzlich ablehne. Es hat schon eine Weile gedauert, bis die große Anerkennung gekommen ist. Je nach politischer Couleur mal mehr, mal gar keine Anerkennung. Z.B. haben Schulprojekte einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, Vorurteile der Elterngeneration abzubauen, da diese – angelockt durch die Arbeiten ihrer Kinder – das erste Mal ins OHO kamen und feststellten, dass es ja so schlimm nicht ist.

Wie hast du dieses erste Jahrzehnt des OHO, das ja auch wesentlich durch dich geprägt war, insgesamt erlebt?

Es waren sehr bewegende, sehr aktive Jahre, ich hab das alles sehr lange ehrenamtlich gemacht und kein Geld dafür genommen bzw. Jobs gemacht, um mir mein Gehalt zu verdienen. Wir hatten jedes Jahr eine große Produktion auf die Beine gestellt und im 1990er Jahr den ersten Flüchtlingsverein gegründet, das erste große Theaterstück mit Peter Wagner gemacht, einen Preis für bildende Kunst mit Andreas Lehner und Wolfgang Horwath ins Leben gerufen, das Projekt mit Wolfgang R. Kubizek „Südlich / ein Haus / offen“, ebenso das Projekt „Das Land im Land“ anlässlich 70 Jahre Burgenland. Wir gründeten die Zeitung „Geschriebenstein“ und haben nach Jahren wieder den ersten Roma-Ball organisiert. Wir haben den Verlag „edition lex liszt 12“ („Gesetz der Lisztgasse 12“, Adresse des OHO) gegründet, auch den Verein RE.F.U.G.I.U.S. – Rechnitzer Flüchlings- und Gedenkinitiative – usw., also es war immer was los. Im Jahr des Roma-Attentates 1995 war es ganz wichtig, dass es uns gegeben hat, sonst wäre es in der Öffentlichkeit nicht in der weise aufgearbeitet worden, wie das schließlich geschehen ist. Und 1996 haben wir dann begonnen, den neuen Umbau zu planen, für dessen Zustandekommen Peter Wagner einen sehr wichtigen Beitrag mit seinem Brief nach Brüssel geleistet hat. Und beim damaligen Finanzminister und späteren Bundeskanzler Viktor Klima hab ich schließlich gemeinsam mit Kurt Kuch erreicht, dass wir, also der Verein OHO, das Haus samt Grundstück vom Bund zu einem erschwinglichen Preis erwerben konnten.

Was hat das OHO am Leben erhalten?

Den Mut zu träumen und die Kraft zu kämpfen. Wir haben uns Dinge in den Kopf gesetzt und die haben wir dann durchgezogen. In der ersten Phase waren das eben Peter Wagner, Wolfgang Horwath, den ich hinzugeholt habe, um das frisch renovierte Café zu „behübschen“, und ich. Dann ist irgendwann Wolfgang R. Kubizek – „der Teufelsgeiger“ – dazugestoßen, genauso wie Andreas Lehner und viele andere. Zu den einzelnen Projekten haben wir dann unterschiedliche Leute dazu geholt. Das 3er-Team waren an sich der Peter, der Wolfgang H. und ich.

Ihr habt das OHO nicht nur am Leben erhalten, sondern es hat eine stete Aufwärtsentwicklung genommen. War der große Umbau 1997 dann eine logische Folge dieser Entwicklung?

Jein, also ich hätte das in der Form nicht gebraucht. Ich glaube, dass das ein Einschnitt war. Wir haben gewusst, es gibt Geld von der EU (Ziel 1 Förderung), und wenn man das jetzt nicht in Anspruch nimmt, bietet sich die Chance nicht mehr so schnell. Meine Meinung war: Sanieren ja natürlich, aber nicht in dem großen Stil umbauen.

War das schon ein Grund für das spätere Zerwürfnis, ehe es ab 1999 zu einer neuen Zeitrechnung kam, oder wie ist es aus deiner Sicht zu der damaligen Krise zwischen dir und einigen anderen Hauptakteuren gekommen?

Aus meiner Sicht waren die Hauptgründe die Diskussion über die grundsätzliche Ausrichtung des Hauses und die Rollenaufteilung der beteiligten Personen. Es ist eine Neuausrichtung im Raum gestanden: Wir müssen ein Kunsthaus sein. Das war die neue Idee, die im wesentlichen vom Peter kam, der Wolfgang H. hat das dann mitgetragen. Ich wollte das Haus offen lassen für alle Aktivitäten und nicht nur für die Kunst. Die Frage ist immer, was bringt’s, was kostet es? Natürlich haben wir auch viele Veranstaltungen im Haus abgehalten, die mit Kunst und Kultur nichts zu tun gehabt haben wie diverse Feiern und Parties, aber die waren halt da, um Geld zu verdienen.

Und dann die Idee, wir müssen uns einen künstlerischen Leiter holen – das wurde der Michael Muhr. Ich hätte mich nur um das Finanzielle kümmern sollen. Ich fand das keine so gute Idee. Hedi Chaloupka, die jahrelang ehrenamtlich die Verantwortung über die Kassa innehatte, hat dann auch mit mir aufgehört. Wir ließen uns vom Finanzamt, von der Gebietskrankenkasse alles prüfen, haben das Haus für den Verein gekauft und es dann ruhigen Gewissens schuldenfrei übergeben.

Wie lautet dein persönliches Resümee über deine Jahre im OHO?

Es war eine sehr erfolgreiche Phase. Wir haben – was mir persönlich immer sehr wichtig war – gesellschaftspolitisch viel erreicht und das immer in Verbindung mit Kunst und Kultur. Wir haben viele Pflänzchen zum Wachsen gebracht, es ist viel gesät worden und auch viel aufgegangen.