Offenes Haus Oberwart

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG: Heute ist die Eröffnung der Ausstellung „Kunst für Katz & Co - KünstlerInnen helfen Tieren in Not“ Mehr Infos >>

OHO – DAS ERSTE JAHRZEHNT ...

... eines autonomen Kunst- und Kulturhauses der Provinz

Interview mit Wolfgang Horwath

 

Erzähle uns etwas von Stimmung und Energetik, die das OHO in den ersten Jahren seiner Existenz geprägt haben.

Ich würde sie auf drei wesentliche Punkte zurückführen. Zum einen ist es der Tatsache zu verdanken, dass ein umtriebiger Arbeitsmarktbetreuer namens Horst Horvath auf der Suche nach Projekten war und das damalige Jugendhaus, das sich in einem Stadium der Auflösung befand, zu retten versuchte.

Zum zweiten ist er im Dunstkreis dieses Hauses auf Künstler wie Peter Wagner, Wolfgang R. Kubizek oder mich gestoßen. Wir waren davon beseelt, unsere künstlerischen Ambitionen und Ideen in dem Raum, in dem wir lebten umzusetzen. Somit war die inhaltliche Richtung vorgezeichnet.

Drittens spielte die Dürre im Bereich der zeitgenössischen Kunst in diesem Kulturraum eine wesentliche Rolle: Es gab keine Galerie für zeitgenössische Kunst, kein entsprechendes Theater – nichts, was auf Aktivitäten im zeitgenössischen Kunstbereich in einem adäquaten Rahmen hätte schließen lassen.

Dein Kampf um erhöhte gesellschaftliche Akzeptanz der bildenden Kunst – war er von Erfolg gekrönt, zumal natürlich auch als Zugewinn für ein Kunsthaus der Provinz wie das OHO?

Man kann bei der bildenden Kunst nicht von einem Zugewinn für das Haus sprechen, weil sie von Anfang an ein Bestand des Programms war. Da die bildende Kunst in der Präsentation eher von Stille und Zurückhaltung geprägt ist, ist es unvergleichlich schwieriger, breite Anerkennung in der Gesellschaft zu finden.

Man spricht davon, dass ein Prozent der Bevölkerung an bildender Kunst interessiert ist ... Also von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet ist es sehr schwierig, diesbezüglich Interesse und Akzeptanz zu steigern. Dennoch ist es uns gelungen, die Situation über die Jahre zu verbessern. Ich bin überzeugt, dass das auf konsequente Qualität und die Konzeption im Ausstellungsbereich zurückzuführen ist.
Im Übrigen initiierte das OHO 1990  den „1. Burgenländischen Wettbewerb für bildende Kunst“, der mittlerweile zu einer fixen Einrichtung in der burgenländischen Förderpolitik geworden ist!

Was das OHO betrifft, so war sein erstes Lebensjahrzehnt ein durchaus ereignisreiches mit, wie wir vermuten, gewaltigem Adrenalinausstoß. Was hat das OHO zu jener Ausnahmeerscheinung gemacht, die sich letztlich den Österreichischen Kunstpreis 2013 verdient hat?

Das OHO ist in seiner langjährigen Aktivität immer seinem ureigensten Satzgegenstand, nämlich der Kunst, treu geblieben und hat aktuelle Themen, Probleme und Phänomene, die die Gesellschaft beschäftigen, in der Sprache der Kunst artikuliert. Es erstaunt, welche Qualität das Haus in seinen Produktionen und  in seinem gesamten Kulturprogramm zustande bringt, vor allem wenn man die budgetäre Knappheit im Auge hat und sie mit Produktionen in etablierten Kunstzentren vergleicht. Das ewige finanzielle Dilemma führt natürlich immer wieder zu Diskussionen, möglicherweise einen populäreren Weg im Kulturprogramm einzuschlagen. Dem zu widerstehen bedarf es einer gewissen Hartnäckigkeit an der Kunst festzuhalten, und das ist mit Sicherheit ein Aspekt, der das Haus zu einer Ausnahmeerscheinung macht und auch dazu geführt hat, seine Qualität wie auch die Professionalität zu steigern. Aber all das wäre ohne den unermüdlichen Einsatz bis an die Grenzen der Selbstausbeutung von KünstlerInnen, Angestellten und vielen engagierten Personen mit Sicherheit nicht möglich.

Nach 30 Jahren haben Kulturhäuser immerhin drei Jahrzehnte Entwicklung mit all ihren Problemen, Krisen, aber auch Highlights hinter sich. Du hast sie alle mehr oder weniger intensiv mitgemacht. Wie kann oder soll es weitergehen mit diesem Haus?

Es gab jede Menge „up and downs“ oder jede Menge Schleudergefahr auf diesem Weg. Zurzeit sage ich, dass sich dieses „Kunstvehikel“ auf einer sehr guten Fahrt befindet. Wie lange sie anhält und welche Veränderungen in der Zukunft auf das OHO zukommen, kann ich nicht abschätzen, nur soviel, dass Veränderungen Gewissheit sind. Wichtig sind jedenfalls jene Menschen, die hier Verantwortung übernehmen und arbeiten. Eine gewisse Unsicherheit besteht immer in dem Verhältnis zur Politik, da sich dieses im Zuge politischer Veränderungen auch jederzeit ändern kann.

Es bleibt daher eigentlich nur die Hoffnung, dass die mühsam erlangte Wertschätzung für dieses Haus als solche nicht nur erhalten bleibt, sondern vielmehr zu einem unverzichtbaren Meilenstein im zeitgenössischen Kunstgeschehen in diesem Lande und darüber hinaus auch bleibt.