Offenes Haus Oberwart

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ARCHIV AB 2015

... und wenn der Krieg vorbei ist ... ?

Symposium des Vereins RE.F.U.G.I.U.S

Im März 2015 jährt sich der Tag des „Kreuzstadl-Massakers“ in Rechnitz zum 70. Mal. 1945 besiegten die alliierten Truppen Hitlerdeutschland und befreiten Europa von der Naziherrschaft. Der Zweite Weltkrieg hat nicht nur wirtschaftliche und gesellschaftliche Strukturen zerstört, sondern auch in den Menschen irreversible Spuren hinterlassen. Nach Kriegsende konzentrierte man sich voll auf den Wiederaufbau und die Beseitigung unmittelbarer Kriegsschäden. Es blieb weder Zeit noch Raum für Auseinandersetzung: Weitgehend unreflektiert blieben Erinnerungen an die Schrecken und Opfer des Krieges, Ängste um Vermisste und Kriegsgefangene, aber auch Schuld und Anteil an Kriegsverbrechen.
„70 Jahre Kriegsende“ und die Folgen sind für RE.F.U.G.I.U.S Anlass, den Zusammenhang von Geschichte und Erinnerungskultur aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten: Zwei Historiker, ein Pädagoge, eine Psychologin, ein Psychiater und ein engagierter Aktivist analysieren die Folgen von Gewalt und Krieg und deren spätere Neuinterpretationen, Umdeutungen oder Tabuisierungen.
Mit den ReferentInnen gehen wir der Frage nach: „Gibt es eine objektive Geschichte?“ Gerade Erzählungen über Kriegshandlungen sind geprägt von Lücken und Unerklärtem. Je nach Standpunkt oder Ideologie wird versucht, Plausibilitäten zu erzeugen, um der Gewalt einen sinnstiftenden Rahmen zu geben. Die Rassenfantasien der Nationalsozialisten oder Slobodan Miloševićs Visionen über die mythische Bedeutung des Amselfelds im Kosovo für das großserbische Volk: Solche Erzählungen wollen eine Legitimation schaffen für Gewalt, Vertreibung und Unterdrückung. Auf der anderen Seite ist eine lineare Erzählung von Krieg, eine Kriegsgeschichte, die Sinn und Ordnung im eigentlich Unfassbaren herstellt, kaum möglich. Kriegsüberlebende, die den Schrecken hautnah miterlebten, sind oft aufgrund ihrer Traumatisierung nicht in der Lage, nach klassischen Ordnungsschemata über das Geschehen zu berichten. Das gilt für die Opfer der Gewalt. Das gilt für die Täter. Das gilt für die Generationen danach.
Referent/innen:
    
Peter Gstettner (Klagenfurt)
Vergessene Verbrechen, verschüttete Erinnerungen – 70 Jahre danach
    
Rainer Possert (Graz)
Der „vergessene“ Holocaust in Graz-Liebenau
    
Krisztián Ungváry (Budapest)
Zwischen Verdrängung und Instrumentalisierung. Die Erinnerungskultur des II. Weltkrieges in Ungarn 1945-2015
    
Đorđe Tomić (Berlin)
„... und wenn der Krieg vorbei ist, kommt der Frieden?“ Geschichte(-n) und Erinnerungen an die / aus den jugoslawischen Kriegen der 1990er Jahre
    
David Vyssoki, Stefan Strusievici (ESRA - Wien)
„Ist es vorbei, wenn es vorbei ist?“
    
Barbara Preitler (Hemayat-Wien)
Überleben ist zu wenig!
Flüchtlinge in Europa 2015: Nirgendwo willkommen?

Eintritt frei
Eine Veranstaltung des Vereins RE.F.U.G.I.U.S  mit Unterstützung
des Offenen Hauses Oberwart