Offenes Haus Oberwart

Kommende Ausstellung: Die Wanderausstellung „GEGEN DAS VERGESSEN - GEJNG OPOBISTERIPE!“ ist am 27. November 2020 nur während der Veranstaltung "Roma-Fest – Roma-Kultur" ab 19:30 Uhr zu besichtigen >>

Alexander Pehlemann

Können Sie sich und die Organisation, die Sie in diesem Projekt vertreten, etwas genauer vorstellen?

UT Connewitz ist ein alternatives Kino und Veranstaltungszentrum in Leipzig. Die Leitung des Zentrums hat mich gebeten, die Koordination und inhaltliche Arbeit für die Projektpartnerschaft zu übernehmen. Ich kann hier mein ganzes Wissen einbringen - als Herausgeber und Chefredakteur von "Zonic". Das Magazin ist in der aktuellen Sprachregelung eine "Publikationsplattform", ist aber bereits 1993 als Fanzeitschrift mit dem noch immer treffenden Untertitel "Kulturelle Randstandsblicke & Involvierungsmomente" gegründet worden. Später benannte ich es in Anerkennung der Erscheinungsweise zum Almanach um, wobei seit 2006 auch Bücher in diversen Verlagen veröffentlicht wurden, die als Zonic-Spezial-Ausgaben vor allem der subkulturellen Historie des ehemaligen Ostblocks gewidmet waren, teils entstanden als Produkte aus entsprechenden Projekten.

Was war Ihre Motivation, dieses Projekt zu entwickeln bzw. auch an diesem Projekt teilzunehmen?

Der Systemwechsel 1989/90 ist auch für die Subkulturen eine entscheidende Umbruchslinie gewesen, insofern lag es nahe, hier mit einem spezifischen Fokus teilzunehmen. Die Chance, mit AG.Geige aus der DDR und A.E.Bizottság aus Ungarn zwei der damals wichtigsten Gruppen zwischen Kunst und Klangerzeugung in ein wechselwirkendes Vergleichsverhältnis zu setzen, zumal durch aktuelle Bearbeitungen, reizt mich besonders - nicht zuletzt, da sich daran sowohl bis heute nachwirkende historische Impulse untersuchen lassen als auch fortlaufende Kreativlebensläufe der damaligen Protagonisten.

Inwieweit waren Sie und Ihre Organisation von der Existenz der "Eisernen Grenze" betroffen?

"Zonic" ist natürlich nur durch das Verschwinden dieser Subkultur möglich gewesen. Aber auch in der eigenen Biographie war mein Dasein in jedem Aspekt dadurch gekennzeichnet, östlich der Frontlinie gelebt zu haben.

Wie haben Sie die Öffnung dieser sehr "harten" Grenze erlebt?

Ich sah sie ungläubig im Fernsehen, in der Kaserne sitzend, da ich gerade zu jener Zeit bei der Nationalen Volksarmee der DDR war.

Hat der sogenannte Fall des "Eisernen Vorhangs" etwas für Sie und Ihre Organisation geändert?

Nicht irgendetwas, sondern alles wurde geändert. Nur der Lebensschwerpunkt Subkultur blieb gleich, schwenkte aber vom Sehnsuchtsort zur tendenziellen Selbstverwirklichung darin.

Welche Verbindungsprojekte oder Veranstaltungen haben Sie bisher durchgeführt, um die menschlichen und kulturellen Beziehungen zwischen "Ost und West" zu stärken?

Jedes Projekt, jede Veröffentlichung von Zonic war dem gewidmet, in mühevoller Überschreitung der noch immer erheblichen Wahrnehmungsgrenze zwischen Ost- und Westdeutschland. Zuletzt waren es vor allem die Compilation "Notes from the Underground" und die Mitarbeit beim von Portugal ausgehenden Online-Archiv-Projekt "Unearthing the Music", die eine breitere internationale Zirkulation fanden.

 

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