Offenes Haus Oberwart

Laufende Ausstellung: Die Ausstellung zum Projekt "Shutdown? - Mit Kunst aus der Isolation" läuft bis 1. September 2020 mit stets neu hinzukommenden Werken unterschiedlicher KünstlerInnen   Mehr Infos >>

Andreas Liebmann

Können Sie sich und die Organisation, die Sie in diesem Projekt vertreten, etwas genauer vorstellen?

Ich bin Andreas Liebmann, Schweizer Performancekünstler mit Sitz in Kopenhagen. 2017 gründete ich das Tårnby Torv Festival im Vorort Tårnby. Das Tårnby Torv Festival ist eine fragile Institution ohne kontinuierliche Finanzierung und Infrastruktur und muss sich regelmäßig neu erfinden. Unser Anliegen ist es, einen künstlerischen Raum zu ermöglichen, um eine offene Diskussion und Kommunikation in einem politisch und architektonisch durchorganisierten Raum zu stärken. So schaffen wir sogenannte geschützte Räume fernab des Lärms öffentlicher Getriebenheit.

Was war Ihre Motivation, dieses Projekt zu entwickeln bzw. auch an diesem Projekt teilzunehmen?

Pneuma Szöv war von Anfang an Partnerin des Tårnby Torv Festivals, als Beobachter und Teilnehmer. Ich schätze den Austausch mit Pneuma Szöv sehr. Die Frage der Freiheit ist in Dänemark ganz anders als in Ungarn. Dänemark scheint vom Mauerfall nicht sehr betroffen zu sein. Dies ist aber mit Sicherheit ein oberflächlicher Eindruck. Ich weiß, dass das Jubiläum bis zu einem gewissen Grad diskutiert wurde. Darauf möchte ich eingehen. Ist Dänemark so frei, wie es sich selbst vorstellt? Und ich freue mich, Pneuma Szöv bei unserem Festival als Gast begrüßen zu dürfen!

Inwieweit waren Sie und Ihre Organisation von der Existenz der "Eisernen Grenze" betroffen?

Meine Organisation hat es 1989 noch nicht gegeben. Durch meine ersten beruflichen Erfahrungen als Schauspieler in Ostdeutschland - Zwickau - bin ich dem Echo der verschwundenen DDR begegnet: Trabi, Stasi, Marxismus und dem Abverkauf eines großer Teils einer Stadt.

Wie haben Sie die Öffnung dieser sehr harten "Eisernen Grenze" erlebt?

Wie auch die Schweizer Regierung habe ich selbst nicht sehr viel darüber nachgedacht. Aber wir haben dann doch einen Schulausflug nach Berlin gemacht. Ich habe sogar ein paar Wandstücke aus der ehemaligen Mauer mitgenommen.

Hat der sogenannte Fall des "Eisernen Vorhangs" etwas für Sie und Ihre Organisation geändert?

Von der Seite, der sich Westen nennt (hat sich durch den Fall des "Eisernen Vorhangs" einiges geändert, Anm.) - Durch die Illusion des Kapitalismus als Gewinnersystem, als Teil eines scheinbar anhaltenden "Erfolgs" neoliberaler Politik mit all seinen Folgen, stellt sich die Frage und Notwendigkeit einer anderen denkbaren Zukunft, auch für meine Freunde aus dem ehemaligen Osten.

Welche Verbindungsprojekte oder Veranstaltungen haben Sie bisher durchgeführt, um die menschlichen und kulturellen Beziehungen zwischen "Ost und West" zu stärken?

Ich hatte eine Arbeits- / Lebensreise, die viele Perioden in der ehemaligen DDR hatte. Ich habe auch einige Jahre in Berlin verbracht. Die Theaterkultur in Berlin ist ohne das Ost / West Thema nicht denkbar. Die vielen Gespräche mit Menschen aus dem Osten erweiterten meine Sichtweise. Ganz neu sind Kooperationen mit Künstler_innen und Institutionen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Ich erlebe "östliche" Länder als eine Möglichkeit, für mich als jemanden, der in Mitteleuropa lebt, ein nackteres Spiegelbild davon zu erhalten, was in "meinen" Ländern tatsächlich vor sich geht und welche Abhilfemaßnahmen dagegen entwickelt werden könnten. Das rücksichtslose politische Spiel der rechten Kräfte. Die Kraft der Solidarität. Meine Lebensreise und Arbeit bewegt sich teilweise innerhalb dieser Erfahrungen. Wenn es die menschlichen und kulturellen Beziehungen stärkt, freue ich mich darüber.

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