Offenes Haus Oberwart

Kommende Ausstellung: Die Wanderausstellung „GEGEN DAS VERGESSEN - GEJNG OPOBISTERIPE!“ ist am 27. November 2020 nur während der Veranstaltung "Roma-Fest – Roma-Kultur" ab 19:30 Uhr zu besichtigen >>

Arpad Boczen

Können Sie sich und die Organisation, die Sie in diesem Projekt vertreten, etwas genauer vorstellen?

Ich bin Arpad Boczen, der Präsident des Ungarischen Verbands der Kulturerbe-Manager (KÖME, heritagemanager.hu). KÖME glaubt, dass ohne gesellschaftliches Engagement und Diskussion die als kulturelles Erbe identifizierten Werte nicht bestehen können. Aus diesem Grund ist es für uns von entscheidender Bedeutung, Programme zu organisieren und Kommunikationskanäle zu schaffen, die dazu beitragen, unser gemeinsames Erbe auch der jüngeren Geschichte zu entdecken, zu verstehen, wertzuschätzen und zu nutzen. Als Architekt und Kulturerbe-Manager ist mir das Bauen von Räumen und Konstruktionen ebenso wichtig wie das Bauen von Communities und Netzwerken.

Was war Ihre Motivation, dieses Projekt zu entwickeln bzw. auch an diesem Projekt teilzunehmen?

Ich denke, dass Kunst und kulturelles Erbe den Menschen helfen können, über ihr persönliches und gemeinschaftliches Leben nachzudenken. Das Thema dieses Projekts und auch die Art und Weise seiner Aufarbeitung zeigt, dass Veränderungen für eine bessere Zukunft nicht vorstellbar sind, ohne aus der Geschichte, vor allem aber auch aus der jüngeren Geschichte, zu lernen. Wir sollten den Mut haben, 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hinzusehen, was aus unseren Visionen und denen unserer Eltern geworden ist.

Inwieweit waren Sie und Ihre Organisation von der Existenz der "Eisernen Grenze" betroffen?

Ich wurde 1980 in Szombathely, 20 km von der österreichischen Grenze entfernt, geboren. Meine Familie hatte viele österreichische, ost- und westdeutsche Freunde, die meisten konnten wir jedoch nur im Sommer am Plattensee treffen. Ein österreichisches Ehepaar wurde 1988 Pate meiner Schwester.

Wie haben Sie die Öffnung der "Eiserenen Grenze" erlebt?

Ich war 9 Jahre alt. Natürlich habe ich alle Auswirkungen im Zusammenhang mit der Freizügigkeit über Grenzen hinweg (Einkaufstouren, Tourismus usw.) erlebt. Ich erinnere mich auch, dass diese Freiheit bilateral war. Wir bemerkten immer mehr Menschen aus dem Burgenland in der Innenstadt von Szombathely. Wir wurden von unseren Eltern und anderen erwachsenen Bekannten sehr ermutigt, Deutsch als erste Fremdsprache zu lernen.

Hat der sogenannte Fall des "Eisernen Vorhangs" etwas für Sie und Ihre Organisation geändert?

Zum Zeitpunkt des Systemwechsels waren mir die Auswirkungen nicht wirklich bewusst. Aber rückblickend ist mir klar, dass ich ohne diese Ereignisse nicht der geworden wäre, der ich heute bin. Die Erfahrungen mit verschiedenen kulturellen und subkulturellen Ansätzen und künstlerischen Werken aus unterschiedlichsten Ländern bewirkten, dass ich in meiner Arbeit anspruchsvoller und professioneller wurde. Diese Erfahrungen wurden auch zu einem wesentlichen Bestandteil meiner Identität.

Welche Verbindungsprojekte oder Veranstaltungen haben Sie bisher durchgeführt, um die menschlichen und kulturellen Beziehungen zwischen "Ost und West" zu stärken?

Ich habe KÖME als Konferenzmanager der jährlichen internationalen Konferenz des European Network namens "Interpret Europe" vertreten. Die Veranstaltung fand in Kőszeg und Umgebung statt. Das Thema des Programms war "Erbe und Identität" und dabei haben wir uns auch viel mit den Situationen entlang der Grenze befasst.

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