Offenes Haus Oberwart

Laufende Ausstellung: Die Ausstellung zum Projekt "Shutdown? - Mit Kunst aus der Isolation" läuft bis 1. September 2020 mit stets neu hinzukommenden Werken unterschiedlicher KünstlerInnen   Mehr Infos >>

Peter Purg

Können Sie sich und die Organisation, die sie in diesem Projekt vertreten, etwas genauer vorstellen?

Ich bin pETER Purg und leite derzeit das Modul Neue Medien in den Graduiertenkollegs Digitale Medienkunst und Medienpraxis an der School of Arts der Universität von Nova Gorica. Dort bin ich assoziierter Professor, Projektkoordinator und Experte in allen Bereichen digitaler Kultur und Medien. 2019 kuratierte ich das internationale Festival für Medien und zeitgenössische Kunst Pixxelpoint, 2018-2020 leitete ich das interdisziplinäre Projekt MAST - Modul in Kunst, Wissenschaft und Technologie sowie ADRIART.CE, ein von CEEPUS unterstütztes Netzwerk von Kunstakademien aus Österreich, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Ungarn, Mazedonien, Polen, Serbien und Slowenien. Nach meiner Promotion in Medienkunst, Kommunikationswissenschaft und Literatur an der Universität Erfurt befasse ich mich mit Medienkunstpädagogik, interdisziplinärer Zusammenarbeit, Medienökologie und Gemeinschaftskunst. Meine künstlerischen Interessen reichen von (Vortrags-) Performances und intermedialen Installationen über Interventionen im öffentlichen Raum bis hin zu partizipativen kreativen Prozessen.

Die School of Arts der Universität von Nova Gorica ist eine junge und dynamische Schule, die aktuelle zeitgemäßes Studienprogramm anbietet. Bei der Förderung der Entwicklung unserer Studenten verfolgen wir einen persönlichen Ansatz, unterstützen das E-Learning, sind intermedienfreundlich und praktizieren interdisziplinäre Zusammenarbeit und fördern sozial engagiertes Handeln. Wir schätzen jeden Schüler als eine unabhängige und kreative Persönlichkeit. Mit innovativen Ansätzen für Lehre, Forschung und Produktionsprozesse fördern wir die unabhängige kreative und akademische Arbeit von Student_innen, die von einer Gruppe kompetenter Mentor_innen geleitet wird. Projektarbeit an realen komplexen Projekten in außerschulischen Umgebungen liefert den Studierenden wertvolle Erfahrungen. Hier sind es vor allem Projekte, die häufig soziale und internationale Solidarität sowie gesellschaftliches Engagement fördern und das Hauptziel haben, künstlerische Methoden so zu transformieren, dass sie zum gesellschaftlichen Fortschritt beitragen.

Was war Ihre Motivation, dieses Projekt zu entwickeln bzw. auch an diesem Projekt teilzunehmen?

Seit ihrer Gründung vor 25 Jahren als autonome und unabhängige Kunstschule befasst sich die "Famul Stuart School of Applied Arts" der Universität von Nova Gorica mit Projekten, die die soziale und auch die politische Realität immer wieder in Frage stellen. Seit der Gründung beschäftigen sich Mentor_innen und Schüler_innen regelmäßig mit der grenzüberschreitenden Realität der ehemals geteilten Nova Gorica und Gorica. Das Interesse an diesen Community-Themen wurde unter anderem auch durch das preisgekrönte "Hidden Lives of Venice Video" oder "Participatory Art for Invisible Communities-Project" geweckt.

Inwieweit waren Sie und Ihre Organisation von der Existenz der "Eisernen Grenze" betroffen?

In Slowenien gab es natürlich keinen "Eisernen Vorhang", aber trotzdem hatten diese Veränderungen in den sogenannten Ostblockstaaten auch Auswirkungen auf die blockfreien kommunistischen Länder Europas (Anm.) Als unabhängige Kunstschule war die "Famul Stuart School of Applied Arts" aufgrund nicht vorhandener öffentlicher Mittel in den ersten fünfzehn Jahren (beginnend bereits in der Zeit des ehemaligen Jugoslawien) von allen Übergangsphänomenen betroffen, von der instabilen politischen Situation bis hin zu instabilen wirtschaftlichen Verhältnissen.

Dem gegenüber standen der Optimismus und die Motivation, sich international an einem kulturellen und akademischen Austausch zu beteiligen, was unserer Universität viel Solidarität und Unterstützung einbrachte. Persönlich habe ich an der nördlichen Grenze zu Österreich gelebt - gesäumt von ziemlich undurchdringlichen Hügeln und nur das Stadtgebiet Maribor mit dem von Graz geprägten Gebiet Štajerska / Steiermark verbunden. Für ein Kind bedeutete diese Grenze etwas, um materiellen Wünsche zu erfüllen - das Einkaufen von Süßigkeiten und Spielzeug in den achtziger Jahren. Für die Jugend eröffnete sich die Möglichkeit, nach Österreich und Deutschland zu reisen, um kulturellen Austausch, Veranstaltungen und Erfahrungsaustausch zu genießen - ich war ein Theaterabiturient in Maribor, wir spielten in den frühen neunziger Jahren viele Shows für das österreichische Publikum und konnten so unsere Auslandsreisen finanzieren.

Wie haben Sie die Öffnung dieser sehr "harten" Grenze im Zuge der politischen Entwicklung erlebt?

Nach dem Umzug in die Grenzregion von Nova Gorica im Jahr 2013, als die "harte" Grenze seit fast einem Jahrzehnt offiziell nicht mehr existiert, erlebte die Schule sofort die "weichen" Grenzprobleme der gesamten Grenzregion. Der Slogan lautete: "Menschen aus Italien, kommt nach Slowenien. Hier kann man billiger einzukaufen, tanken, essen und in Casinos zocken", während die slowenischen TagesmigrantInnen nach Italien zur Arbeit fuhren oder sich für einen romantischen Lebensstil, Sehenswürdigkeiten oder kulturelle Aktivitäten zu interessieren begannen. Auf dem Gebiet der Kultur scheint sich jedoch nur sehr wenig zu vermischen, und es gibt fast kein tieferes Verständnis für die Notwendigkeit einer nachhaltigen strukturierten Zusammenarbeit diesseits und jenseits der Grenze.

Hat der sogenannte Fall dieser harten Grenze auch etwas für Sie und Ihre Organisation geändert?

Es eröffnete die Perspektiven internationaler künstlerischen Ausbildung und Zusammenarbeit. Unsere internationalen Projekte und Mobilitätsmaßnahmen (Studenten- und Personalaustausch) sind schnell gewachsen und haben sich diversifiziert. Nova Gorica und die Mikroregion Goriška wandelten sich von einem kleinen Ort (geschlossen, Sackgasse) zu einem Gebiet mit internationalen Kontakten. Es wurde die Verkehrsinfrastruktur verbessert und über die Grenze hinweg ausgebaut und der internationale Tourismus begann zu florieren. Der Einfluss der Massenmedien wurde diversifizierter - früher dominierte das italienische Fernsehsignal die Region, aber mit dem Aufkommen von Satellitenfernsehen und Internet wurde das Angebot breiter und pluralistischer. Auf der anderen Seite gibt es doch eine Ernüchterung gegenüber den gewonnen Errungenschaften und Veränderungen ...

Welche Verbindungsprojekte oder Veranstaltungen haben Sie bisher durchgeführt, um die menschlichen und kulturellen Beziehungen zwischen "Ost und West" zu stärken?

Die School of Arts der Universität von Nova Gorica leitete erfolgreich ein wichtiges internationales akademisches Projekt. Hier wurde mit Slowenien, Österreich, Italien und Kroatien ein gemeinsames Masterstudienprogramm, das sich über Kunst, Kultur und interdisziplinäre Zusammenarbeit erstreckt, entwickelt. Durch ADRIART (Advancing Digital Renewed Interactions in Art Teaching, 2011-2014) wird die Zusammenarbeit in immer vielfältigeren Formaten fortgesetzt. Das gleiche Konsortium entwickelte auch das bereits erwähnte HiLoVv (Hidden Lives of Venice on Video). Mehrere Mitglieder unserer Organisation engagieren sich intensiv für die grenzüberschreitende Kandidatur von Nova Gorica und Gorizia für die grenzüberschreitende europäische Kulturhauptstadt "Go! 2025", in der wir uns um einen positiven gesellschaftlichen Dialog bemühen: "Geprägt vom Kriege, aber vereint in Freundschaft und intensiver Zusammenarbeit ".

Eine der Herausforderungen ist auch das Mastermodul MAST - Modul Kunst, Wissenschaft und Technologie mit dem letztjährigen Modul "Die Zukunft der Arbeit". Das diesjährige Motto für die internationale akademische Zusammenarbeit ist "Solidarität"! Gegenwärtig sind wir auch Partner im großen Projekt DIVA - Art: Biz Innovation Ecosystems (Interreg SI-IT), das 15 Partnerinstitutionen der gesamten Region Slowenien-Italien in einem großen Konsortium zusammenbringt, mit interdisziplinären künstlerischen Innovationsprojekten.

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