Das Oho

Kunst und Kultur am Ort – ganz allgemein

Kunst und Kultur am Ort – das ist einer der Leitgedanken des OHO. Es bedeutet, dass die Kunst ihre Wurzeln stets auch in der Charakteristik ihres Geburtsortes und der Rückbezüglichkeit auf diesen hat – und das OHO dementsprechend Augenmerk auf die Präsentation von Kunst aller Sparten als jeweils eigene Inszenierung, die tatsächlich vor Ort entsteht, legt.

 

 

Das OFFENE HAUS OBERWART

Eine Namensbestimmung

Der Namen OFFENES HAUS OBERWART geht auf den Werbetexter Wilfried Uitz zurück. Er war ein persönlicher Freund von Horst Horvath, der Ende der 80er-Jahre als Arbeitsmarktbetreuer einen Renovierungskurs für Langzeitarbeitslose in Oberwart ausrichtete. Mittels dieses Kurses sollte das Jugendhaus Oberwart, gegründet 1980 und wenige Jahre später bereits durch Entzug öffentlicher Fördergelder wieder verblichen, einer neuen Bestimmung als ein Haus für Kunst und Kultur zugeführt werden.

Von Anfang an verursachte die Kennzeichnung des Hauses als ein „offenes“ Missverständnisse in und aus verschiedenen Richtungen. Obwohl im Laufe der Jahrzehnte immer wieder die Möglichkeit angedacht wurde, das Haus umzubenennen, beließen die Vereinsvorstände ihm schon deshalb das Erbe seines Namens, weil sich dieser sehr früh bereits zu einem Markennamen für eine erfolgreiche Kulturarbeit in der österreichischen Provinz entwickelt hatte. Das führte denn auch im Jahr 2013 zur Zuerkennung des Österreichischen Kunstpreises an das OHO als überhaupt erster Kulturinitiative in Österreich.

Das Offene Haus Oberwart definierte sich von Beginn an stark über Inhalte, die dem Leitgedanken einer „offenen Gesellschaft“ (Karl Popper) verpflichtet waren und sind. Da in ihm überproportional viele Künstler*innen vertreten waren, lag der Fokus zudem stark auf der Entwicklung und Präsentation verschiedener Kunstformen, oft in Interaktion miteinander und inhaltlich in groß angelegten Jahresprojekten verankert. Dabei wurde der Leitgedanke der „offenen Gesellschaft“ nie verlassen: Bedeutsam wurde dies bereits lange vor dem Attentat von Oberwart im Jahr 1995, doch durch dieses erhielt er zusätzliche Legitimation.

Schon mit der allerersten Ausstellung im Gründungsjahr des OHO 1989 wurde dieser Leitgedanke öffentlich: „Nazi-Herrschaft und was uns blieb“. Erstmals thematisierte ein Kulturhaus im Burgenland in einer Ausstellung, die das ganze Haus füllte, ein Thema, das selbst noch Ende der 80er-Jahre für viele im Land ein Reiz- oder Tabuthema war. Und man demonstrierte damit, wofür die Offenheit des Offenen Hauses stehen sollte: Für die Öffnung des gesellschaftlichen Diskurses und den unzensierten Einlass von Themen, die der Befassung mit den problematischen Entwicklungen der Gesellschaft ein Terrain bieten sollten.

Diesen Anspruch hat sich das Offene Haus Oberwart bis heute erhalten. Und er bedeutet nicht, der programmatischen Haltung des Hauses Öffnung(en) in jedwede sich anbietende, letztlich beliebige Richtung zu verschaffen. Im Gegenteil wird seitens der Vereinsvorstände versucht, geistige Strenge und Konsequenz in eine inhaltlich und formal anspruchsvolle Kunst- und Kulturarbeit einfließen zu lassen. Und das Haus dort geöffnet zu halten, wo spürbare Anstrengungen in die Entwicklung einer „offenen Gesellschaft“ erkennbar sind - aber auch mit dem nötigen Mut und der nötigen Gelassenheit jenen Begehrlichkeiten eine Grenze zu setzen, durch die entweder eine künstlerische Abwertung des Hauses oder seine demagogische, politische oder kommerzielle Vereinnahmung drohen.

Geschichte

Gewachsen aus dem provinziellen Trümmerfeld der Themen

Im Juni 1980 inszeniert eine Gruppe junger Leute ein Ärgernis, das die Kleinstadt Oberwart – Einwohneranzahl kaum über 8000 – für einige Tage in Angst und Schrecken versetzt. Es handelt sich um eine Aktionsreihe unter dem bezeichnenden Titel „ausnahmsweise oberwart“, die die Palette der damals fälligen gesellschaftlichen Themen mit unbedarft aktionistischer Attitüde aufgreift und eine Provinzstadt, die wie viele andere, ähnliche Orte im bürgerlichen Wohlstandsaufschwung liegt, mit einer Unzahl unaufgearbeiteter Fragen konfrontiert.

Thematisch werden schon damals, Anfang der 80er-Jahre, gesellschaftliche Problemfelder angesprochen, die größtenteils auch heute noch Gültigkeit besitzen: Geschlechterrollen, Konsumverhalten, mangelnde Vergangenheitsaufarbeitung, Alltagsrassismus etc.

Das Ärgernis, ursprünglich determiniert auf 10 Veranstaltungstage, sollte eine manifeste, bis in die Gegenwart sich erstreckende Verlängerung erfahren, auch wenn das damals noch niemand ahnen konnte. Denn der „Verein Jugendhaus Oberwart“ wurde tatsächlich gegründet und legte damit den Grundstein für eine kulturelle Bewegung, der der Großteil der Einwohner des Ortes skeptisch bis ablehnend gegenüberstand. In verwegen praktizierter Umkehr der vermeintlichen Bedürfnislage innerhalb der Bevölkerung stellte diese Bewegung den emanzipatorischen Anspruch einer Zivilgesellschaft, wie er sich am konkretesten in der Jugendkultur artikulierte. Sie brachte autonome Kulturarbeit und schließlich sogar das Luxusgut Kunst, nach der niemand verlangt hatte, in die politische Peripherie. Diese fristete damals noch, angeschmiegt an den Eisernen Vorhang, ein unbemerktes, mit sich selbst zufriedenes Dasein fristete, wurde aber schließlich genauso von den großen Umwälzungen des Jahres 1989 überrollt wie ganz Mitteleuropa.

Zufällig fällt denn auch die Gründung des autonomen Kulturzentrums „Offenes Haus Oberwart“, das sich wie Phönix aus der Asche aus den Trümmern des gescheiterten Jugendhauses erhob, genau in dieses ominöse Jahr 1989. In der Folge stellte das bis heute in Österreich schwerwiegendste rassistische Attentat, dem vier junge Roma-Männer aus Oberwart zum Opfer fielen, dem Haus einen präzisen Legitimationsausweis aus: Wenn in dem multiethnischen Gebilde Oberwart weiterhin reflektiert und gesellschaftspolitisch wie künstlerisch aufgearbeitet wird, nicht nur im Falle der Roma, dann passiert dies im Offenen Haus Oberwart.

Ein mehrfach prämiertes Haus

Das Burgenland, Grenzgebiet seit jeher, ist vor allem durch seine Volksgruppen – neben den Deutschsprachigen Kroaten, Ungarn, Roma und bis 1938 Juden - reich an einem divergenten Kulturerbe. Letztlich gilt es, dieses zu erhalten und weiterzuentwickeln. Das Offene Haus Oberwart widmet sich dieser Aufgabe mit Leidenschaft und schafft immer wieder Raum für die Selbstpräsentation der Volksgruppen, oftmals im interagierenden Rahmen, der sich über den lebendigen Dialog der Kunstsparten untereinander bildet.

Das Offene Haus Oberwart hat, wohl auch aufgrund seines beharrlichen Brückenschlags zwischen gesellschaftlichen Problemfeldern der Provinz und seiner Arbeit im divergenten, überregional gültigen künstlerischen Segment im Jahr 2013 den Österreichischen Kunstpreis zugesprochen bekommen – und das als erste österreichische Kulturinitiative überhaupt. 2014 folgte der renommierte Bank Austria Kunstpreis für das von Peter Wagner entworfene und in vier Sprachen ausgeführte Jahresprojekt „Wächter über Oberwart – Die sechs Friedhöfe und drei Totengedenkstätten als kosmopolitische Erzählung der Provinz“ – www.waechter-oberwart.at

Die Zeit der Pandemie und der geschlossenen Kulturhäuser hat das OHO schließlich dazu genutzt, sich technisch und logistisch weiterzuentwickeln. Einem physisch über viele Monate nicht mehr zugelassenen Publikum wurde mit verschiedenen Streaming-Angeboten die Kunst sozusagen ins Haus geliefert. Auch hier entstanden einige Eigenproduktionen, die zum Teil nach wie vor heute im Netz stehen und derzeit noch kostenlos konsumiert werden können. Schauen Sie dazu gerne auf unseren YouTube-Kanal

Die Philosophie

Der Faktor OHO

Als das Offene Haus Oberwart im Jahr 1980 (damals noch als „Verein Jugendhaus“) gegründet wurde, konnte niemand ahnen, wie sehr sich die Welt innerhalb eines einzigen Jahrzehntes verändern würde. Lag der Bezirksvorort Oberwart damals noch an der äußersten Peripherie Europas, so sollte durch den Wegfall des Eisernen Vorhanges die Peripherie selbst zunehmend ins Zentrum der Beobachtung rücken. Gerade der multiethnische Bezirksvorort, gelegen in einem seit ungezählten Jahrhunderten existierenden, archetypischen Grenzraum der Sprachen, Religionen und Kulturen, bot und bietet sich als künstlerisches Exerzierfeld für eine neues, zusammengewachsenes und doch differenziert zu durchleuchtendes Europa an.

Häusern wie dem Offenen Haus Oberwart fällt die nicht unerhebliche Aufgabe zu, über die Hebelwirkung zeitgenössischer Kunst den kreativen Diskurs einer ganzen Region zu entwickeln und aufrecht zu erhalten. Die erfolgte Neuorientierung des Offenen Hauses Oberwart seit 2004 hat eine Vielzahl neuer, interessanter Künstler*innen ins Haus gelockt und hier auch über gewisse Schaffensstrecken versammelt, an einem Ort, an dem sich beinahe idealtypisch die Wirklichkeit im Austausch der Sprachen und Kulturen erkunden lässt: Die Künstler*innen haben es, wie so oft, als erste verstanden und liefern die Konsequenz nach, diese Wirklichkeit unnachgiebig zu hinterfragen.

Die erklärte Absicht des Hauses besteht darin, den restaurativen Tendenzen des Kulturbetriebes die Vitalität Jetztzeit-bezogener Lust am durchtriebenen Blick entgegenzusetzen und der zeitgenössischen Kunst eine Bresche zu schlagen. Die Möglichkeiten dazu bieten sich mannigfach, sind aber gewiss auch abhängig von den Persönlichkeiten, die ihre Aktivitäten an das Haus herantragen oder von diesem dazu eingeladen werden. So haben sich über die Jahren starke Segmente in den Bereichen Literatur und Theater, Junge Kunst und Musik, Bildende und virtuelle Kunst herausgebildet, die in gewissen, thematisch gebündelten Jahresprojekten auch spartenübergreifend zusammenwirken und wie immer von diskursiven Veranstaltungen sowie Konzerten und Events der Jugendkultur ergänzt werden.

Verein und vorstand

Der aktuelle Vereins-Vorstand / seit November 2021

Obfrau: Eveline Rabold
Wolfgang Horwath
Jügen Pokorny
Andreas Lehner
Maria Racz

Foto: Eveline Rabold, Wolfgang Horwath, Jürgen Pokorny, Andreas Lehner, Maria Racz, Alfred Masal (Geschäftsführung)

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