Offenes Haus Oberwart

Das OHO befindet sich derzeit in Sommerpause!

DER FLUSS SUCHT SICH EIN NEUES BETT

Über Bestehendes, Verlorenes und neu Hinzugebrachtes * Gesungener Theater-Essay, Vol. 2

Im Jahr 2013 konnte das Offene Haus Oberwart (OHO) eine veritable Erfolgsproduktion landen. „DER FLUSS – Die Lieder der Lebenden, die Lieder der Toten“ wurde im Verlauf von vier Jahren Dutzende Male in insgesamt fünf österreichischen Bundesländern aufgeführt und von Publikum und Presse begeistert akklamiert. 2015 wurden Autor und Regisseur Peter Wagner und der Komponist Ferry Janoska für ihr gemeinsames Werk mit dem Burgenländisches Volkskulturpreis bedacht.

„DER FLUSS SUCHT SICH EIN NEUES BETT – Über Bestehendes, Verlorenes und neu Hinzugebrachtes“ versteht sich nicht bloß als Fortsetzung eines prämierten Stücks, sondern als eine Erweiterung in Sichtweise und Didaktik dessen, was man gemeinhin unter kultureller Identität eines Grenzlandes, wie es das Burgenland seit jeher darstellt, versteht.

Signifikant für dieses Grenzland Burgenland, das 2021 sein hundertjähriges Bestehen feiert, ist in jedem Fall die Anzahl seiner Volksgruppen in nach wie vor gepflegter Sprache und kultureller Tradition. Ob Deutsch-, Kroatisch-, Ungarisch-, Romanes- und bis 1938 auch Jüdischsprachige: Sie alle ergeben bis zum heutigen Tag ein Gesamtbild gelebter Diversität, wie man es wohl sonst nirgends in Österreich so gebündelt auffinden kann. Davon erzählte bereits „DER FLUSS – Die Lieder der Lebenden, die Lieder der Toten“ – und er tat es über die Lieder der Volksgruppen, wie sie teilweise bis in die Gegenwart lebendig sind.

Aber auch im Burgenland steht die Zeit nicht still, weder in Form noch Inhalt, Gesellschaft und Politik, technischem Fortschritt und zukunftsskeptischen Blickwinkeln. Zu den alten Liedern haben sich nach und nach neue Lieder gesellt, und das nicht nur seitens der Kreativen innerhalb der Volksgruppen, sondern auch – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit – seitens jener Menschen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten aus anderen Nationen zugezogen sind und ihren neuen Lebensmittelpunkt im Burgenland gefunden haben. Doch selbst als einzelner kommt ein Mensch nie ganz alleine in ein anderes Land, in eine andere Weltgegend, immer gehen wie ein Schatten mit ihm mit: seine Sprache, seine ihm angestammte Kultur, seine in ihr verankerte Sehnsucht, seine Gebete, Märchen, Gedichte – und: Lieder.

Laut Statistik Austria leben heute im Burgenland fast 29.000 Menschen – es sind somit 10% der Gesamtbevölkerung – , die in den letzten Jahren und Jahrzehnten aus nicht weniger als 137 unterschiedlichen Nationen zugezogen sind. Wo sind sie? Wer sind sie? „DER FLUSS SUCHT SICH EIN NEUES BETT – Über Bestehendes, Verlorenes und neu Hinzugebrachtes“ will zumindest einigen unserer neuen Mitmenschen nicht nur eine Stimme geben, sondern dieser Stimme auch Substanz durch das, was diese Menschen in ihrem nativen Selbstverständnis geprägt hat und vielleicht nach wie vor prägt. Wohl kaum etwas wäre so sehr geeignet, sich den direktesten Weg zu unserem tieferen Verständnis zu bahnen wie der Gesang der menschlichen Stimme.

Wieder ist es der Kosmopolit Ferry Janoska, selbst ein als Kind ins Burgenland Geschmuggelter, der mit seinen Arrangements dem Abend einen unverwechselbaren musikalischen Anstrich gibt. Unter der Regie von Peter Wagner erstreckt sich der theatralische Bühnenbogen von virtuell aufbereiteter Bilderwelt zu live dargereichter gesanglicher und musikalischer Performance. Mit der Uraufführung zu Silvester erfährt die Produktion mehr als nur eine Theaterpremiere. Sie bildet den Abschluss eines Jubiläumsjahres, der sich womöglich auch als mentalen Aufbruch in den nächsten Abschnitt unserer Geschichte verstehen lässt.
 

Idee, Konzeption, dramaturgische Einrichtung, Inszenierung: Peter Wagner
Musik und Arrangements: Ferry Janoska
Mitwirkende Bühne: Claudia Fellinger / Marica Zvonarits, Tamás Hompok, Eveline Rabold, Alexander Wukovits, Peter Wagner.
Live-Musik: Ferry Janoska (Bandoneon, e-Piano), Thomas Maria Monetti (Gitarren), Nikola Zeichmann (Bass)
Lichtdesign und Produktionsleitung: Alfred Masal
Live-Ton: Florian Decker / Videotechnik: Zoltán Galambos
Kameras: Tom Eitel, Sabine Maier, Tamás Medgyessy, Christian Ringbauer
Bauten: Florian Decker, Zoltán Galambos, Christian Lukschander
Büro und Organisation: Silvia Magdits, Gerald Unger, Helena aus der Schmitten

Eine Produktion der Theaterinitiative Burgenland in Kooperation mit dem Offenen Haus Oberwart

PREMIERE: 31.12.2021 * 19:00 Uhr * Offenes Haus Oberwart
WEITERE LIVE-VORSTELLUNGEN: 5., 7., 14., 15.01.2022 * 19:00 Uhr * OHO
25.02.2022 * 19:00 UHR * KUGA, Großwarasdorf / Veliki Boristof
27.02.2022 * 16:00 UHR * KUGA, Großwarasdorf / Veliki Boristof
VORSTELLUNGEN VIA STREAMING: 15.01.2022 * 19:00 Uhr / 16.01.2022 * 17:00 Uhr

DIE THEATERINITIATIVE BURGENLAND

Als wir im Juni 2014 die Theaterinitiative Burgenland (ThiB) gegründet haben, war unser Vorhaben kein Geringeres, als ein Theaterhaus für zeitgenössisches Theater im, aus dem und für das Burgenland zu schaffen. Die Nähe zu regionalen Themen und den Menschen war dabei von Anfang an ausschlaggebend.

Mit dem OHO hatten (und haben) wir die perfekte Infrastruktur und das professionelle Know-how. Es wurde zu unserer künstlerischen Homebase, in der abwechselnd und vor allem mit jungen burgenländischen KünstlerInnen neue Stücke erarbeitet und von der aus die Produktionen in das Land getragen werden. Wir entwickelten ein Konzept mit dem Titel „7 Uraufführungen in 7 Jahren“, das wir bei Land und Bund vorlegten, und konnten noch am Silvesterabend 2014 unsere erste Produktion vorstellen: „KeinFunkenLand“, ein Theatertriptychon von Katharina Tiwald, March Höld und Reinhold Stumpf (Regie: Angelika Messner). In den folgenden Jahren feierten wir große Erfolge mit Siegmund Kleinls „Europas Heiliger Krieger“, mit Peter Wagners Drama „71“, in dem die Flüchtlingstragödie von Parndorf aus dem Jahr 2015 bearbeitet wurde und österreichweit enorme Resonanzen hervorrief, mit dem berührenden Stück der jungen Güssinger Regisseurin Katrin Hammerl „Ein ganzes Leben“ und mit der großartigen „Talkshow 1933“ von der wunderbaren Petra Piuk, in der die Oberwarter Zigeunerkonferenz aus dem Jahr 1933 in die Gegenwart geholt wurde. Zuletzt begeisterte der aus dem Burgenland stammende Sänger und Musiker Tony Wegas in dem von Katharina Tiwald ihm auf den Leib geschriebenen Stück „Caruso – I did it my way“ (Regie: David Kleinl). Unsere Produktionen werden regelmäßig neben Oberwart in der KUGA Großwarasdorf, im ORF-Landesstudio Eisenstadt sowie im OFF Theater Wien gezeigt. Selbstverständlich hat auch uns die Corona-Krise schwer getroffen, aber gleichzeitig auch künstlerisch angeregt. Das Ergebnis wurde ab August 2020 als 1. Österreichisches Distanz Theater mit dem von Peter Wagner entwickelten Stück „Bleib mir vom Leibe!" präsentiert.

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